Schäferei/Wolle

Kaum eine Form der Landbewirtschaftung formte die Kulturlandschaft derart, wie die jahrhundertelange Beweidung der Wanderschäfer mit ihren Herden.

Durch die Nutzung der Flächen entstanden artenreiche Wiesen und Biotope, die auch heute nur erhalten werden können, wenn sie beweidet werden. Um die Schäferei auch wirtschaftlich zu unterstützen, gibt es mehrere Projekte im Naturpark, die sich für die Vermarktung heimischer Wolle einsetzen, um so dem fast wertlos gewordenen Rohstoff auf lokaler Ebene wieder Wert zu verleihen.

FILZ in der Natur - Filzen für die Natur

Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums des Hauses der Natur Obere Donau findet auf dem Gelände eine Filzausstellung mit 14 Ausstellungsobjekten unter dem Motto "FILZ in der Natur - FILZEN für die Natur" statt.  Die Ausstellung wird am 21. Juni 2026 eröffnet und kann bis zum 1. November jederzeit kostenlos besucht werden.

 

Eine Filzausstellung als Hommage an die heimische Wolle

Die Kunstwerke der Ausstellung "FILZ in der Natur - FILZEN für die Natur" bestehen zum größten Teil aus heimischer Wolle und sollen Aufmerksamkeit wecken für die Wichtigkeit der Schäferei für die Kulturlandschaft und Artenvielfalt in unserer Region.

Wolle ohne Wert

Die Schäfereien in Deutschland, deren Arbeit so wichtig für den Erhalt artenreicher, magerer Wiesen und der Biodiversität ist, wie kaum ein anderer Zweig der Landwirtschaft. Gleichzeitig steht die Schäferei schon lange vor großen Problemen: Heimische Wolle hat keinen monetären Wert mehr und die wirtschaftliche Lage ist oft nicht einfach für einen Beruf, der harte körperliche Arbeit und ein hohes Maß an Verantwortung mit sich bringt.

14 Kunstobjekte am Haus der Natur

Lassen Sie sich mitnehmen in eine Welt voller Strukturen, Formen und Farben, Interpretationen und künstlerischer Umsetzung. Wenn Sie möchten, können Sie für Ihr Lieblingskunstwerk Ihre Stimme abgeben und so der Künstlerin zum Gewinn unseres Wettbewerbs verhelfen.
Abstimmen können Sie sowohl gleich hier oder direkt vor Ort während der Öffnungszeiten des Hauses der Natur.

rote, blaue und grüne Filzkugeln auf grau-schattierter Filzunterlage

Der Katalog zur Ausstellung

Hier können Sie den Katalog zur Ausstellung direkt herunterladen.

Die Initiative Beuroner Filz

Die Initiative Beuroner Filz will dazu beitragen, den Schäfern im Naturpark einen fairen Preis für Ihre Wolle bieten zu können. Das Markenzeichen "Beuroner Filz" steht hierbei für Produkte, die von Menschen in der Naturpark-Region gefertigt werden und zum größten Teil aus Wolle der heimischen Schafhaltung hergestellt sind.

 

Dabei geht es vor allem um:

  • Den Erhalt der bäuerlichen Kulturlandschaft
  • Die Förderung des alten Handwerks in traditioneller und
    moderner Form
  • Die Erschließung alternativer Einkommensquellen im
    ländlichen Raum
Gefilztes Schaf mit einer grünen Mütze

Die Produktpalette

Die Produktpalette der Initiative Beuroner Filz ist breit gefächert. Das Angebot umfasst handgefilzte Produkte, wie z.B. Pantoffeln, Hüte, Schals, Sitzkissen und Taschen, aber auch Deko- und Geschenkartikel.

Das Label

Dabei enthalten alle Produkte mit dem Logo "Beuroner Filz" mindestens 50% Wolle aus dem Naturpark Obere Donau. Die Wolle darf nicht chemisch behandelt werden.

Die Filzartikel gibt es im Haus der Natur Obere Donau zu kaufen oder sie werden direkt auf Anfrage gefertigt.

Weitergabe von Wissen

In unserem Veranstaltungskalender finden Sie viele Kurse und Seminare rund um das Thema Wolle, Filzen und andere Verarbeitungstechniken.

Auch bei vielen Festen und Märkten sind die Filzerinnen mit Angeboten für Kinder und Verkaufsständen dabei.

Düngepellets aus Schafwolle

In der Schäferei fällt auch Wolle an, die nicht handwerklich nutzbar ist. Zum Beispiel, weil sie nicht sortenrein ist oder sehr dreckig ist. Hier setzt das Projekt Düngepellets aus Schafwolle an, welches gezielt Wolle nutzt, die sonst nicht zu vermarkten wäre.

Wertlose Wolle

Wenn wir an Schafwolle denken, kommt uns häufig der warme, weiche Merino-Winterpullover in den Sinn. Doch damit Wolle so angenehm auf der Haut zu tragen ist, muss sie von bestimmten Schafrassen stammen, die in klimatisch waren Regionen der Erde leben. Wenn wir heutzutage Wollprodukte kaufen, stammt die Wolle häufig aus Übersee. Die heimische Wolle verliert immer weiter an Wert. Daneben entscheiden noch andere Faktoren darüber, ob hiesige Schäfer die Wolle ihrer Schafe verkaufen können:

  • Der Grad der Verschmutzung. Wenn die Wolle zum Beispiel sehr viele Heupartikel enthält, ist sie nur schwer zu reinigen.
  • Die Schafrasse. Mixe aus verschiedenen Rassen oder Schafrassen mit grober Wolle sind in der Schäferei weit verbreitet, die Wolle ist jedoch wertlos.
  • Die Farbe der Schafe. Graue, braune oder schwarze Schafe sind ebenfalls häufig, da die Wolle jedoch schwer zu färben ist, wird sie nicht nachgefragt.

Die Folge: Wolle muss mangels Absatzmarkt der Müllverbrennung zugeführt werden. Sie gilt sogar als Sondermüll.

Nutzung als Dünger

Das Mulchen von Beeten mit Schafwolle ist bei gärtnernden Menschen schon lange kein Geheimtipp mehr. Die langsame Abgabe von Nährstoffen und die Speicherung von Feuchtigkeit haben sich herumgesprochen. Mit der Pressung der Wolle in handliche Pellets ist es möglich, den Dünger genau zu dosieren und ihn direkt in die Erde einzuarbeiten.

Wollsammlung und Weiterverarbeitung mit dem Naturpark-Partner ökohum

Schäfereibetriebe aus dem Naturparkgebiet können ihre Wolle an die Firma Ökohum aus Herbertingen vermarkten, die sie zu Düngepellets weiterverarbeitet.

Die Betriebe melden ihre Schurtermine an die Naturparkgeschäftsstelle, die dann die Liefertermine mit Ökohum abstimmt. Diese können dann ihre sonst nicht zu vermarktende, aussortierte Wolle an die Firma Ökohum zu einem festgesetzten Preis verkaufen. Dadurch erhalten Schäfer ein kleines Zubrot zu ihren sonstigen Einnahmequellen und es entsteht aus eigentlicher Ausschussware ein hochwertiger, ökologischer Gartendünger.